Kamtschatka – voll in der Wildnis!

Spontane Reaktion eines Deutschen: „Wo ist das denn?“
Spontane Reaktion eines Russen: „Was willst du denn da?“

Dabei ist Kamtschatka hinreichend bekannt: Weder aus Film und Fernsehen, noch aus den Medien, wenn man nicht gerade interessierter Vulkanologe ist. Sondern als strategisch wichtiger Flecken auf dem Risiko Spielbrett:

lokalisiere Kamtschatka...

Hier liegt die Halbinsel Kamtschatka

Die Halbinsel Kamtschatka gehört zum östlichen Ende Russlands, und hier gibt es die pure Wildnis in Form von Lachs, Bär und Vulkan. Tja, und irgendwer (Codename Honeybadger) hatte die Idee, dass wir uns das unbedingt anschauen müssen.

Fast den ganzen August verbringen wir hier zusammen mit Honeybadger und Raupe, 3 weiteren Reisegefährten und unserem fantastischen Reiseleiter Oliver, der selbst hier lebt und unsere Krücke ist bei Sprachbarrieren, uns rumkutschieren lässt, Land und Leute näherbringt und dabei hilft, auch verrückte Ideen in die Tat umzusetzen.

Los geht’s

Schon beim Anflug auf den Flughafen Petropawlowsk stockt mir der Atem: wir brechen durch die Wolkendecke und erhaschen einen ersten morgendlichen Blick auf die Halbinsel Kamtschatkas. Von Weitem sieht sie aus als hätte jemand das Fell eines überdimensionalen weißen Tigers über die Landschaft gespannt, aber bei näherem Hinsehen geben sich schwarze, von Schnee durchstreifte Vulkankegel zu erkennen. Dort hinten raucht tatsächlich noch einer! Dieser Anblick soll den Auftakt bilden zu einer ganzen Kaskade von tollen Panoramen, die uns in den nächsten Tagen erwarten.

Vulkane x2

Korjakski in den Wolken, Awatschinski im Rauch

Den Jetlag kurieren wir in Jelizowo aus, einer kleinen Stadt direkt neben dem Flughafen. Hilfreich dabei ist sicherlich das halbe Kilo Lachskaviar, das wir auf dem Fischmarkt erstanden haben, und das wir uns ganz traditionell zu Munde führen: Als Unterlage dient ein saftiges Graubrot, das sanft mit Butter bestrichen wird. Darauf kommt eine Schicht Kaviar, und zwar daumendick (mindestens). Für umsonst dazu gibt es die Sicht auf die zwei sehr nahen und sehr hohen Hausvulkane der Hauptstadt Petropawlowsk, namentlich Korjakski (3500m) und Awatschinski (2800m, rauchend sogar). Das Auge isst ja schließlich mit.

Esso und Bystrinski Nationalpark

Gas-66

Der Gas-66. Hier in einem Flussbett geparkt.

Unser erstes Ziel ist der Bystrinski Nationalpark, aber da muss man auch erstmal hinkommen. Gefährt und Fahrer sind wie für diese Landschaft geschaffen:

Unser Wagen ist ein alter GAS-66 Militär-LKW, der um eine Passagierkabine erweitert nun einer neuen, zivilen Aufgabe zugeführt wurde. Der Besitzer und Fahrer Viktor ist wie schon das Gefährt ein echtes russisches Urgestein und hat durch seine Tätigkeit bei der Bergwacht viel Erfahrung mit Touren durch unwegsames Gelände.

Unterwegs halten wir an einer heißen Quelle, die ganz natürlich etwas nach überfälligem Ei müffelt. Im Wechselbad mit dem gleich daneben fließenden eiskalten Bach, und ein paar Schlucken Bier eine wahre Wohltat.

Wir campen am Fluss, das Wetter ist, gelinde gesagt, heiter bis mückig. Der Zeltplatz ist umzingelt von Rauschebeerbüschen, sie sind jetzt reif und lecker, und zu Abend gibt es Räucherlachs und frische Lachssuppe.

Axt_Lachs_Suppe

Stillleben mit Axt und Lachs

In Esso, einem malerischen Dorf, das schon im Nationalpark liegt, satteln wir unser Gepäck auf Lastpferde und los gehts.

Der Bystrinski Nationalpark, der im Westen der Halbinsel liegt, überrascht uns mit von Blüten übersäten Sümpfen, Birkenwäldern und Krüppelgestrüpp (so heißt das Zeug wirklich). Mit kleinen und großen Flussläufen, heißen und kalten Quellen und Seen, und einigen Spezialitäten vulkanischen Ursprungs: Wir besuchen einen toten, von Vulkanasche erstickten Wald, und aus den Hügeln erheben sich bizarr aussehende Schlossruinen (es handelt sich aber um aus dem Berg ragende Basaltschlote, aus denen mal Lava ausgetreten ist). Die Landschaft erinnert an ein Gemälde von Bob Ross, finde ich.

Bob Ross I

Bob Ross I

Bob Ross II

Bob Ross II

Nach zwei Tagen Wandern durch die Wildnis schlagen wir am „See ohne Wiederkehr“ unser Zeltlager für die nächsten Tage auf. Ich bin schon total zerstochen vor lauter Mücken, aber vor mir brennt ein wohlriechendes Feuer aus Latschenkiefer und Birkenästen. An einem Konstrukt aus Ästen hängt der Kochtopf, in dem unsere Köchin Sveta heute wieder Eintopf zubereitet. Suppe, Wodka, Brot und Mayo heißt es hier jeden Abend. Lecker!

Toter Baum

Toter Baum

Orchideenfeld

Orchideenfeld

Auf eine Tagestour starten wir durch langgezogene Auen und Strauchwiesen. Es ist sehr sumpfig, und der Boden unter den Schuhen fühlt sich zeitweise an, als würde man den Rücken eines großen lebendigen Urwesens (ich denke an den Cthulu-Mythos) überschreiten. Ein entzückendes, federndes und aufgrund der Fremdartigkeit etwas schauerliches Gehgefühl. Wir laufen auch stundenlang durch Super-Mario-Level: Gras/Farn-Anhäufungen auf Felsen, und dazwischen Matsch oder Sumpf. Wer sich hier verspringt, verliert zwar kein Leben, bekommt aber nasse Füß. Nass bleibt es auch von allen anderen Seiten, der Himmel klart nicht so recht auf, und die Sicht ist durch Nebel und Wolken nicht sehr weit. Dennoch gibt es noch ein wenig Abenteuer durch größere Flussquerungen und das Durchschreiten von mannshohen Gräsern, gespickt mit Bärenklau (Can’t touch this!).

Super Mario im Auenland-Level

Super Mario a.k.a. Honeybadger im Auenland-Level

Auch der nächste Tag bleibt trübe, aber wir haben trotz schlechter Aussicht einen fantastischen Weg über den Grat einer erloschenen Vulkangruppe. Kurz, nachdem wir das Lager verlassen haben, laufen wir steil bergauf über Geröll und alte Flussbetten. Irgendwann erreichen wir den Rand der Wolken, die die Aussicht nach oben verhängen, und an dieser Stelle passiert etwas Eigenartiges: Ein Ziesel (so eine Art Dachs-Marder) zwitschert und zieht vorbei, und nach diesem „Ruf der Wildnis“ kippt die Stimmung der Umgebung ins Unwirkliche: wir sind in der Wolke und haben kaum Sicht. Was wir sehen, ähnelt einer irren, kargen Mondlandschaft. Es herrscht hier absolute Stille und wir kraxeln so stundenlang weiter durch graues, von Moosen leicht beschichtetes Geröll.

Mitreisende im Geröll

Mitreisende in Nebel und Geröll

Blümchen im Geröllfeld

Blümchen im Geröllfeld

Kleine Flechten und Miniaturblumen arrangieren sich auf und um jeden einzelnen Felsen sehr fotogen und geben einige Farbtupfer in das sonst grau-gelbe Fels-Moos-Szenario.

Bauanleitung für ein Raumschiff

Bauanleitung für ein Raumschiff

Ein kleiner Adrenalinkick sind einige Meter sehr schmaler Grat (max.2m Breite) und dazugehörige Klettereinlagen.

Da schon einige Stunden ohne viel Sicht in dieser schrägen Welt vergangen sind, drehen alle so langsam ein wenig durch. Der eine sagt „Nach Mordor gehen wir“, die nächste erkennt Gesichter in den schrägen, wackeligen Felsformationen, über die wir uns wagen. Ich erkenne eindeutig in rotgelben Moosmustern die Botschaften einer nicht terrestrischen intelligenten Art. Und sonst tut der Nebel weiterhin sein Bestes, um die Unwirklichkeit dieser Landschaft zu unterstreichen.

Vormarkierter Landeplatz für Lastraumschiffe

Vormarkierter Landeplatz für Lastraumschiffe

Nach Abstieg aus der Wolke gibt es einen Mittagssnack und weiter hinab ins Tal, wo wir in der Ferne schon das leuchtend gelbe Küchenzelt sehen können. Zusätzlich ist der endlich wiederhergestellte Blick unter den Wolken auch erholsam für den Geist und wir sind dankbar genug zum Staunen.

Auf dem Rückweg hören wir Laute, die Christian und Raupe als den Ruf eines Schneeschafbabys interpretieren. Die beiden stellen dem „kleinen süßen Tier“ sofort nach. Wir lauschen und blicken durch die Ferngläser, und einige Geduldsmomente später zeigt sich das zierliche Tier… eine ausgewachsene Bärenmama. Das Bärenkind im Schafspelz wird von ihr zielsicher aufgespürt und den Geröllhang hochgetrieben. Christian und Raupe sind zum Glück zu lahm gewesen um das Bärenkind selbst einzusammeln. Wir sehen am Hang nochmal genauer hin und es ist ein kleines Wunder: Mutti hat noch zwei weitere Kinder! Die vier – trotz der Distanz – eindrucksvollen Tiere tollen sich über das Geröll, und sind irgendwann unserem Blick entschwunden.

Noch ein paar wilde Flussquerungen weiter, und wir kommen mit Sumpffuß im Lager an, wo schon eine heiße Suppe auf uns wartet. Es ist windig, das bedeutet, wir haben keine Mücken.

Die Trocknung von Schuh und Gesocks ist heiliger Abendbrauch des müden Wanderers

Das Räuchern von Schuh und Gesocks ist heiliger Abendbrauch des müden Sumpfwanderers

Auf dem Rückweg nach Esso durchqueren wir noch einmal den toten Wald, diesmal mit etwas Sonnenlicht und Fernsicht, und packen dankbar die Fotoapparate aus.
Angekommen im Dorf begeben wir uns zu unserer Unterkunft – einem Privathaus das von Sinaide, der Besitzerin, ab und zu an Reisegruppen untervermietet wird. Sie zieht für diese Zeit dann zu ihrer Nachbarin. Rosa Gardinen, buntglasbesetzte Glastüren, und die blau-gold bemalte Keramikkuh als Salzstreuer, sowie der sehr gepflegte Garten und das riesige Elchgeweih lassen uns in russischer Gemütlichkeit schwelgen. Den Wandertag lassen wir in dem öffentlichen Thermalbad ausklingen. Mit getrockneten Fisch in der einen und dem Becher voll Bier in der anderen Hand, sitzen wir im Bad. So sind Waden und Gehirn schnell weichgekocht und wir gehen alle früh ins Bett.

Das Thermalbad von Esso. Hier wurde angeblich ein Exemplar der Stellerschen Seekuh (eigentlich ausgestorben) gesichtet.

Das Thermalbad von Esso. Hier wurde angeblich sogar ein Exemplar der Stellerschen Seekuh (eigentlich ausgestorben) gesichtet.

Zurück in Esso gönnen wir uns einen Ruhetag, besuchen das hiesige Museum und lernen Interessantes über die indigene Bevölkerung, die Itelmenen und die Kojaken, und deren Lebensweise. Eine echte itelmenische Hütte haben sie nachgebaut, und Statuen von ihren Gottheiten stehen in Museumsgarten.

Innenzelt aus Rentierfell (Museum Esso)

Innenzelt aus Rentierfell (Museum Esso)

Schamanenmaske (Museum Esso)

Schamanenmaske (Museum Esso)

Der Erschaffer

Der Erschaffer

Vater Rabe ist der Hauptgott hier, denn er hat Kamtschakta erschaffen. Heute lebt er in einem Vulkan und kommt nur heraus, wenn er hungrig ist. Dann fliegt er zum Meer und fängt sich mit jedem seiner Zehen einen Wal. Diese trägt er zu sich heim, setzt sich und fängt an zu speisen. Wenn es danach bald einen Vulkanausbruch gibt, so liegt es wohl daran, dass Vater Rabe gerade die Walknochen in hohem Bogen aus seinem Fenster spuckt.

Eine weitere Figur aus dem hiesigen Mythenschatz ist das glückliche Männlein, einmal im Uhrzeigersinn über den Bauch gestreichelt, gibt es einen Wunsch frei. Ich kann leider noch nicht bestätigen, ob es funktioniert, da ich an der Stelle etwas mit Langfristwirkung bestellt habe, das noch nicht eingetroffen ist.

Wir besuchen noch eine Ausstellung über die Beringia, das hiesige Hundeschlittenrennen. Mittags kocht Viktor für uns, stolze selbstgefangene Lachsforelle. Lecker, wie immer.

Fürs Nachmittagsprogramm fahren wir ein wenig außerhalb in den Wald, wo das itelmenische Tanzensemble Nurgenek eine sehr authentische Darbietung liefert. Sobald ich das Wort „Tanz“ nur höre, gehen bei mir ja alle Nepp-Klingeln an, aber ich bin positiv beeindruckt, und dann überwältigt von der Darbietung – so etwas habe ich noch nie gesehen. Sie ahmen Tiere nach, tanzend und vor allem mit ihren Stimmen!

Tanz (Ensemble Nurgenek)

Tanz (Ensemble Nurgenek)

Außer Trommeln und ihrem sehr ursprünglichen Kehlgesang (der geht durch Mark und Bein) brauchen sie keine Begleitmusik.

Mücken

Erst schwillt der Stich an. Dann juckt er, ca. 2 Stunden lang. Nachts, wenn man den Kopf frei hat, kehrt der Juckreiz wieder. Je nach Nähe zum Kopf weniger oder mehr. Am Fuß am meisten. Die Schwellung schwillt besonders groß an Gelenken und fleischigen Körperregionen. Besonders unangenehm sind hier zu erwähnen Mund und Lippen; sowie das Auge, soweit es zuschwillt. An Geschlechtsteilen ist es unansehnlich, trotzdem ist der Juckreiz – wider Erwarten – nicht sehr ausgeprägt. Wirklich unverständlich ist, dass Mücken wahllos auch in dickwandige Stellen stechen, die wenig Blut tragen, bespielsweise Handflächen und Fußsohlen. Dies bestätigt meine These, dass dieses Viehzeug nur dazu geboren ist, uns als Opfer zu zeichnen und zu demütigen.

Der Vollständigkeit halber: An Handflächen und Fußsohlen ist die Schwellung meist gering oder bleibt ganz aus, dafür färbt sich der Stich tiefrot und juckt ungemein.

In Sankt Mückistan bezahlt man mit Blut. Der Wechselkurs ist hart vorgeschrieben, aber die Lebenshaltungskosten variieren je nach Angebot und Nachfrage. In Pferdenähe kann dich ein Toilettengang schon einmal gute 20 Mücken kosten, bei starkem Wind bezahlst du maximal eine.
Der Sprung in die heiße Quelle schlägt teuer mit 20 Bein-, 15 Rücken- und 10 Armmücken zu Buche. Hohe Einsparquoten wurden aber selbst hier in der Vergangenheit durch schnelle Bewegungen und kurze Gliedmaßen erreicht.

an Wechselstuben mangelt es in St.Mückistan nicht

an Wechselstuben mangelt es in St. Mückistan nicht

beim Geldwechseln

beim Geldwechsel…Download läuft

Das Mückennetz für den Kopf, das wir uns noch einen Tag vor der Abreise zugelegt haben, hielt ich erst für übertrieben. Mittlerweile ist es mir das teuerste, was ich im Gepäck habe.

Land und Leute in St. Mückistan

Land und Leute in St. Mückistan

Der Tolbatschik-Vulkan

Nach einem Fahrtag durch sehr viel Wald und Geröll erreichen wir die Ausläufer des Tolbatschik-Vulkanmassivs. Der letzte Ausbruch begann Ende 2012 und dauerte fast das ganze Jahr 2013 an, das ist nicht so lange her. Der vorletzte 1975, und auch von diesem Ausbruch sieht man Geröll und Asche herumliegen. Wir erstaunen schon beim Anfahren an den wirklich massiv über das Land verteilten, pechschwarzen Lavastrom und die feinkörnigeren, bis hinter den Horizont reichenden Aschefelder.

Wir schlagen unser Lager auf dem Aschefeld direkt neben der „neuen“ Lavazunge auf und machen noch einen kleinen Spaziergang über die Krater im Umfeld. Schon hier schauen wir ehrfürchtig auf das Ausmaß der Veränderung, die diese Vulkanausbrüche mit sich brachten. Hier wachsen auch nach 40 Jahren nur ein wenig Moos und ein paar Büschelchen Gras. Es ist kaum zu begreifen, aber das werde ich die nächsten Tage ständig denken, während wir durch schier endlose Aschefelder und erkaltete Lava gehen.

Aschefeld/Lavafeld+Camp

Panorama über Aschefeld (grau/rot/grün, 1975) und Lavazunge (schwarz, 2013) mit unserem Camp (gelbe Punkte, 2015)

Der nächste Tag beginnt früh – Wir klettern auf den Kraterrand des Tolbatschik. Es wächst kein einziger Baum weit und breit. Wir wandern erst entlang der Lavazunge von 2013, dann über die einst fließende, nun erstarrte Lava („Stricklava“) hinweg: welch bizarre, riesige Gesteinsformationen und erst diese Farbspiele! Wie ein Ölfilm schillert das Gestein, und man kann noch die Fließrichtung erkennen. Die Stricklava manifestiert sich in skurrilen, organisch wirkenden Gebilden. Herausragende Steinbrocken formen Schattenspiele gegen die Sonne. Es ist wirklich gefährlich, über die neue Lava zu laufen: Sie ist sehr scharfkantig, rau und sehr brüchig. Jeder Schritt klingt unheimlich hohl. Unsere Wanderschuhe danken es uns nicht.

am Fuße des Tolbatschik, auf dem neuen Lavafeld

am Fuße des Tolbatschik, auf dem neuen Lavafeld

Um endgültig zum Fuß des Tolbatschik zu gelangen geht es noch einmal durch Aschefelder, nun schon gespickt von Schneefeldern und Gletscherabflüssen. Ab und zu liegen in der Luft erkaltete Steingeschosse herum, man nennt sie auch „Ravioli“. Auch hier ist kein Hauch eines Lebewesens zu erkennen, geschweige denn etwas Pflanzliches. Vor uns schaut der Grat aus den Wolken, auf den wir zusteuern. Es geht weiter durch etwas unwegsamere Geröll- und Schneefelder und die Steigung wird anspruchsvoller. Ich stoße ganz schön an meine Grenzen! Aber jetzt heißt es durchbeißen. Die Belohnung für die Mühen folgt mit Erreichen des Kraterrandes. Fantastische Farbspiele von roter Erde, schwarzer Asche und weißen Schneefeldern laden ein zum Verweilen. Nach einem Mittagssnack gestärkt geht es mit einer kleinen Klettereinlage weiter zum Gipfel – dem mit 3085 m höchsten Punkt des Kraterrandes. Jeder Schritt offenbart einen neuen Blick in den Krater und auch auf das Panorama der (die Wolken überragenden) Vulkanberge rings herum. Dies ist der Zeitpunkt, zu dem sich ein Dauergrinsen auf unsere Gesichter schleicht, das auch für den Rest der Tage Bestand haben wird.

Tolbatschik: Auf dem Kraterrand

Tolbatschik: Kraterrand. Auf den Gipfel im Hintergrund ginge es ab hier nur mit hochalpiner Ausrürstung (Steigeisen etc.) weiter.

Auf dem Rückweg vom Gipfel steht die Sonne schon tief, als wir am Fuße des Lavafelds angelangen. Ein Rauchschleier liegt über den Teilen der Steinwelt, die sich auch Jahre nach dem letzten Ausbruch noch nicht abgekühlt hat.

Kraterlandschaft (schon wieder eine)

Heiß dampfende Stellen an der Erde zeugen von dem noch nicht so lang zurückliegenden Ausbruch von 2013

Weiter am Horizont erhebt sich ein Berg, der während des Ausbruchs von 1975 entstanden ist. Auf den ersten Blick denke ich, es ist ein Touristenmagnet, so runtergtrampelt sind die Pfade dort. Aber im Gegenteil: Der Berg hat Risse, weil er von der Lavazunge 2013 verschoben wurde. Der Berg, ver–scho–ben. Unvorstellbar, dennoch: wahr.

Stricklava, wieder im Hintergrund: der versetzte Berg.

Stricklava, im Hintergrund: der versetzte Berg.

Zurück am Boden holt uns Viktor ab. Leicht heiter singt er russische Volkslieder auf dem Heimweg. Sveta ist auch dabei und empfängt uns mit einer Schüssel voll fettiger Puffer mit Marmelade und heißem Tee. In unserem Camp zurück bekomme ich grad noch die Suppe herunter und falle dann einfach schlafend um – das war ein langer Tag.

Am nächsten Tag machen wir zwei tolle Spaziergänge in die Aschefelder, unter einem klaren, blauen Himmel und prallem Sonnenschein. Morgens steigen wir in eine alte Lavahöhle ein (ja, in die Tunnel, welche die Lava zum fließen genutzt hat). So kriechen wir aufwärts, bis wir im Krater wieder herauskommen. Wir werfen noch einen Blick in eine benachbarte Höhle. Bis letztes Jahr war sie noch zugefroren, aber jetzt ist das Eis getaut, und die ersten Schritte hinein eröffnen ein kleines Empfangstischchen und dahinter eine stattliche Festhalle, mit naturgeformten Sitzreihen. Man kann auch stehen. Einen interessanten Sachverhalt findet man am Boden wieder: Hier liegt ein wenig feiner Sand, und kein Wissenschaftler konnte bisher erklären, woher dieser kommt.

in der Lavahöhle

in der Lavahöhle

Es wird gemunkelt, dass durch unterirdische Vulkanwege per Lavastrom der Sand von Hawaii hier angespült wurde. Eine wohlige Vorstellung für die Hiesigen, dass das Territorium des Klassenfeinds von den Vulkanen auf die richtige Seite des vormals Eisernen Vorhangs getragen wird.

Über den kleinen Kraterrand geklettert setzen wir unseren Spaziergang fort zum toten Wald, der schon wieder ein bisschen lebt. Überall liegt der schwarze Ascheboden, und wird durchwachsen mit Johannisbeersträuchern, schönen einzeln stehenden Pappeln und Weidenröschen.

toter Wald (1975)

toter Wald (1975)

Alles, was so vom Wind aus dem benachbarten Wald hierhergeweht wird, versucht, sich sesshaft zu machen. Fantastische Ausblicke auf den toten Wald, der wie eine Armada aus riesigen Streichhölzern aus dem Boden ragt, auf die Kraterkegel nebenan und das Gebirgsmassiv am Horizont geben eine tolle Kulisse für die neuen, frischen Grüntupfer im schwarzen Sand. Wir klettern einen Aschehügel hinauf für einen sonnigen Rundumblick. Man erkennt, wo der Wald sich wieder hellgrün über die Ränder des Aschefeldes wuchert.

Wieder herunter geht es durch eine karge, schwarze Senke, in der die Luft flimmert und kein Schatten existiert.

Der Mittagstisch wird in der prallen Sonne genossen, direkt neben einer weiteren skurrilen Sehenswürdigkeit: Aus der Asche ragt das Hinterteil eines Helikopters. In der Nähe ist während des Ascheausbruchs ein Heli abgestürzt, wobei zum Glück keine Menschen ums Leben kamen, und ein Spaßvogel hat sich erlaubt, dieses Teil hier in den Boden zu graben.

Kratergraffitti

Kratergraffiti

Das Dino-Ei am Kraterrand

Das Dino-Ei am Kraterrand

Nachmittags besteigen wir dann noch zwei Krater. Der erste hat noch viele metallische Einlagerungen und glänzt mit einer schönen Farbpalette auf: Blau – Kobalt, grün – Kupfer, rot – Eisen, gelb/weiß – Schwefel, glitzernde Einlagerungen in den Bruchstellen des Gesteins – Aluminium. Toll. Es gibt immer noch heiße Dämpfe! Beim Ausbruch hat es diesem Krater sogar die gesamte Seitenwand weggesprengt, unten im Krater sieht man noch den kleinen Riss in der Erde, der so viel Lava ausgespuckt hat, dass der ganze umliegende Landstrich verwüstet wurde.

Der zweite, etwas höhere Krater ist schon ein wenig zugeschüttet. trotzdem sieht man auch hier noch die heißen Dämpfe aus den Erdspalten steigen. Ein klarer Rundumblick in alle Richtungen ist die heutige Belohnung für unsere Wandermühen.

Kraterausblick auf Krater

Kraterausblick auf… Krater!

Der Abend klingt in unserem Camp noch mit einem roten Sonnenuntergang aus, der die Felsfiguren auf dem Lavafeld schön kontrastiert.

Unser dritter und letzter Tolbatschik-Tag gehört dann dem aktuellen Ausbruch von 2013: Den ganzen Tag verbringen wir auf dem neuen Lavafeld und in den dortigen Lavahöhlen.

in der Lavahöhle 2D (von 2013)

in der Lavahöhle 2D (von 2013)

Wir fahren zunächst wieder an den Tolbatschik heran und gehen auf das neue Lavafeld. Oliver führt uns zu einem Loch in der Lavamasse, wo wir in eine kalte Höhle absteigen. Das bedeutet, erst einmal 15m tief an nicht sehr robustem Lavagestein herunter zu bouldern. Jeder Tritt löst ein kleines Geröll-Lawinchen aus, es ist feucht und rutschig: ziemlich gefährlich. Aber es hat ein Ende, ich hab’s geschafft: der Puls ist oben, ich stehe unten. Der Höhleneingang selbst ist sehr groß, ca 5-8m breit und 5m hoch! Es ist zappenduster, und nur unsere Stirnlampen beleuchten den Weg. Man unterscheidet Grau von Schwarz zum fortkommen, und passt auf, sich an dem scharfkantigen Lavageröll nicht irgend etwas zu zerschneiden. Selbst die größeren Felsen sind mit einer Rasierklingenschicht bezogen und wackelig. Wir gehen immer tiefer, immer tiefer…irgendwann geht es im Kriechgang weiter bis schließlich nur noch ein Robben weiterführen würde. Alle sind ein wenig stolz, als Oliver uns sagt, dass wir die Erstbegeher dieser Höhle sind.

Entdeckertruppe, sicher unter die Erde gebracht.

Entdeckertruppe, sicher unter die Erde gebracht.

Im Tageslicht am Höhleneingang zurück heißt es noch einmal Ruhe und Konzentration bewahren, um die 15 Meter wieder hinaufzuklettern, doch unsere Mittagspause entlohnt für jede Müh: Wir suchen uns eine noch heiße Stelle in den Lavafeldern und backen dort… es gibt Pizza und Ei! Das „Kochfeld“ funktioniert fantastisch und die Sitze auf dem Gestein sind beheizt.

Backofen mit Ei und Pizza

Backofen mit Ei und Pizza

Ernährer

Ernährer

Bäckermeister im Gespräch mit Ofenmeister

Bäckermeister im Gespräch mit Ofenmeister

Weiter geht’s nach einer langen Pause zur heißen Lavahöhle. Einer wieder waghalsigen Kletterinlage folgt ein mit feuchten, weißen Kristallen bedeckter Raum. Auch gelbe und rote Ablagerungen schimmern feucht im Lampenlicht. Am Boden befindet sich weißes, feines Pulver. Es ist heiß und stickig wie in der Sauna hier unten. Die Höhle erstreckt sich auch weiter in die Tiefe, aber wir können die geruchlosen Gase, die austreten, nicht identifizieren und kehren sicherheitshalber um.

Erdspalte mit Mensch

Erdspalte mit Mensch

Zum Abschluss des Tages besteigen wir den aktiven Krater, an dem 2012 alles angefangen hat mit dem Ausbruch. Im Gegensatz zum Tolbatschickmassiv sieht er echt harmlos aus, aber das trügt. Mal wieder ein Panoramaanblick über die Mondlandschaft (ja hier testen die Russen sogar ihre Mondfahrzeuge), auf das grüne Tal, das von Sonnenstrahlen durchzogen ist. Es ist sehr windig hier, und gelegentlich zischt mir dieser eklige Schwefelgasgeruch in die Nase, denn auch hier dampft es aus der Erde. Den Rest des Weges zum Camp laufen wir heute aus. Es geht durch die Aschefelder: Immer der Lavakante folgen, bis wir auf unsere Zelte treffen. Ungefährlich ist das ganze aber nicht. Ich komme mit ein paar Kratzern am Bein davon (ja, trotz strapazierfähiger Outdoorspezialtreckhose), aber Honeybadger hat sich bei einem Sturz die Handflächen perforiert. Alles in Allem noch glimpflich.

Es gibt übrigens Blocklava und Stricklava. Obwohl die Strickvariante viel brüchiger ist (Einsturzgefahr), läuft es sich auf ihr viel besser als auf Blocklava. Darunter versteht der Experte nämlich aus dem Vulkan Gespucktes/Geschobenes. In der Realität sieht man sich großen Haufen lose übereinandergeworfenen Gerölls gegenüber, die sich bei jedem Schritt neu adjustieren müssen. Apropos Einsturzgefahr, auch die harmlos aussehenden, feinkörnigen Aschefelder haben es in sich. Oder eher nicht in sich. Unser Reiseleiter warnt uns noch, dass auf dem Feld von der Asche bedeckte eingestürzte Höhlen liegen, da tritt mein rechtes Bein schon auf und sinkt bis zum Knie ab. Nix passiert, nur echt schräg.

Die Abendsonne ist gnädig. Es ist nicht kalt, windstill und mückenfrei. Kleine Grasbüschel und Moosflecken präsentieren sich ansehnlich zwischen schwarzen Felsbrocken in schwarzem Sand. Zum Abschluss surfen wir noch einen Aschekegel hinunter, und schon sind wir müde und hungrig im Camp angekommen.

Kraterpanorama mit Blick ins grüne Tal

Kraterpanorama mit Blick ins grüne Tal

Vilutschinski, Goreli und Mudnowski

Abendrot mit Willi

Abendrot mit Willi

Nach zwei Tagen Fahrt, mit Zwischenstop in einem Thermalbad (Duschen! Fantastisch!) und weiteren Vorratskäufen (Wodka! Bier! Kaviar! Räucherlachs!) kommen wir im Süden der Halbinsel an, und schlagen unser Lager am Fuße des Vilutschinski Vulkans (kurz: unser „Willi“) auf. In einer Senke, aus der der Fluss „Spokojnje“ (Der Ruhige) entspringt: Leckeres, frisches Wasser! An den Hängen blüht der endemische Kamtschatka-Rhododendron in zartem Violett-Purpur. Auch hier sind Bärengeschichten allgegenwärtig. Insbesondere unser Zeltplatz soll zum Revier einer alten Bärin gehören, die ab und zu mal Kontrollgänge macht und schaut, ob alles in Ordnung ist. Zum Glück nur schaut, aber den Menschen nichts tut. Sagen sie.

Das Wetter ist gut am nächsten Tag. Oliver weckt uns daher früh für die besonders lange Tour, die uns heute bevorsteht. Wir fahren bis an ein geothermisches Kraftwerk heran. Dort angekommen beginnt die Wanderung auf die Mudnowski-Kraterkette.

Mudnowski, eindrucksvoll dampfende Kraterkette: unser Tagesziel.

Mudnowski, eindrucksvoll dampfende Kraterkette: unser Tagesziel.

31 Kilometer und 1200 Höhenmeter haben wir abends in den Knochen, aber von der Anstrengung spüre ich erst auf den letzten drei etwas. Vorher ist es einfach zu spannend!

Murmeltierwächter

Murmeltierwächter

Zunächst wandern wir durch begrünte Hügel, durchsetzt mit Schneefeldern, ein ewiges Auf und Ab. Zwischen Gräsern und Steinen haben Murmeltiere ihr Zuhause und wachen mit Argusaugen über uns, als wir vorbeilaufen. Es geht über einen kleinen Pass und ein steiles, großes Schneefeld, und einmal um die Ecke, sind wir schon da: am Rande des ersten von vier ineinander „verwachsenen“ Vulkankratern. Der erste zeigt eindrückliche Felswände in allen Farben des Regenbogens. Hier fließt reißend das Tauwasser unter den Schneefeldern ab, manchmal kann man es durch Löcher im Schneefeld am Rande des Felsens beobachten.

Der zweite Krater gleicht einer riesigen Hexenküche. Es blubbert aus der Erde in heißen, schwarzen Schlammtöpfen, an den Felswänden steigen riesige Dampfschwaden auf und vor uns am Boden klaffen zischende, gelbe Schwefellöcher, die ihre Gase sichtbar in die Luft stinken. Die herumliegenden Steine sind hellblau gefärbt und durchspickt mit bunten Steinchen. Uns beschleicht einmal mehr das Gefühl, wir sind auf einem fremden Planeten gelandet.

Weiter im dritten Krater zeichnet sich ein völliges Kontrastbild. Es ist absolut ruhig hier, der Kraterrand ist fast vollständig von Schneehängen überzogen, und farblich reduziert auf schwarz und dunkle Rottöne. Am Boden des Kraters taut der Schnee weg und gibt Sicht frei auf einen grell türkisgrün leuchtenden Gletschersee. Hier gibt es den Mittagssnack in der Sonne und ein Nickerchen.

Schwefelbad gefällig?

Schwefelbad gefällig?

Dampf und Schnee, koexistent.

Dampf und Schnee, koexistent.

Wir lassen unsere Rucksäcke liegen, um die letzten 100 Meter an einem Seil auf den vierten Krater zu klettern. Er ist etwas kleiner als die anderen drei, aber wohlgeformt konisch. Am dünnen Kraterrand schauen wir in einen weiteren Höllenschlund, der Wasser- und Schwefeldampf in den Himmel prustet und dabei einen Lärm veranstaltet, wie ein Flughafen an der Autobahn.

Der Rückweg führt uns zu einem Wasserfall, der im Laufe der Jahrtausende einen 4 km langen Canyon in das Gestein gefräst hat. Es ist der Ablauf für Geschmolzenes, das den gerade bestiegenen Mudnowski herunterfließt und dort 90 m in die Tiefe stürzt. Wir robben auf dem Bauch an den Felsrand und schauen in die Schlucht, um das Tosen genauer zu betrachten. Kann einem im Liegen schwindelig werden? Ja, stelle ich fest.

Wasserfall mit dampfender Kraterkette im Hintergrund

Wasserfall mit dampfender Kraterkette im Hintergrund

Der Weg zurück ist mühselig und lang, aber wir werden wieder mit einem leckeren Imbiss empfangen und im Gas-66 sicher heim zu den Zelten gerüttelt.

Das Tagesziel am nächsten Tag ist der Goreli-Vulkan. Ähnlich wie der Mudnowski ist der Goreli eine Ansammlung von ineinander verwachsenen Kratern. Langsam könnte man glauben, wir haben Vulkane und Krater satt, aber auch der Goreli ist wieder eine Naturerscheinung für sich: Er wirkt viel massiver und hat seine besondere Form durch Gesteinsmassen, die aus der Erde gedrückt wurden, ohne dass die Magma jemals geschafft hat, an die Oberfläche zu gelangen. Es pfeift Schwefel aus einer Kraterwand, und ein blau-grüner Gletschersee schaut aus einem weitern Krater heraus.

Blick in den Goreli-Krater

Blick in den Goreli-Krater

Der Awatschinski

Wir sind am Fuße des Awatschinski aufgeschlagen, und heute dort hinaufgelaufen. Uff, das waren eine ganz schöne Menge Höhenmeter (1800m). Der Awatschinski liegt etwa 25 km von Petropawlowsk entfernt und harrt seines nächsten Ausbruches, der jederzeit kommen kann. 25 km sind eine sehr kurze Distanz, wenn man bedenkt, dass Lava eine Fließgeschwindigkeit von bis zu 300 km/h erreichen kann. Beim Aufstieg ist der Himmel klar und sonnig, es beginnt schon steil, aber der Pfad ist gute, festgetretene Asche. Der anstrengende Aufstieg belohnt uns die ganze Zeit mit einem tollen Blick auf den Korjakski und das sogenannte „Kamel“, einer Felsformation, die durch die Anhebung der Erde von unterirdischen Magmaströmen hervorgehoben wurde, und dessen Grat tatsächlich an die Silhouette eines Kamels erinnert. Nach dem schönen Pfad gibt es eine Snackpause am Pass, um gestärkt in die folgende Geduldsprobe gehen zu können. Wir gehen durch ein Schneefeld bis an den Fuß des Kegels, ab hier wird es hart. Vor uns liegen noch 700 Höhenmeter in Form eines Asche-Geröll-Steilhanges. Zwei Schritt vor und einen zurück tänzeln wir ungewollt. Jeder Tritt gibt nach oder rutscht ein Stück zurück und löst eine kleine Lawine aus, die dein Hintermann abbekommt. Die letzten 50 Höhenmeter hangeln wir uns an einem Seil hinauf – die Zerreißprobe ist bestanden!

Wir stehen jetzt auf der tiefroten Flanke des Kraters und sehen viele Fumerolen unter den Rändern des schwarzen Gesteinspfropfens hervorzischen. Der Pfropfen ist ein zerfranster schwarzer Lavahaufen, der sich jedes Jahr um ein paar Zentimeter oder auch mal Meter über den Kraterrand hinausschiebt. Die Bevölkerung nennt ihn liebevoll auch den „schwarzen Blumenkohl“ und fürchtet gleichzeitig seinen Ausbruch. Ein fantastischens Farbspiel aus Wolke, schwarzer Lava, rotem und gelben Kraterrand entzückt unsere Augen.

Der schware Blumenkohl mit roter Flamke und Fumerolen

Der schwarze Blumenkohl mit roter Flanke und Fumerolen

 

ebenda mit Korjakski

ebenda mit Korjakski, der aus den Wolken schaut

Den letzten Tag verbringen wir noch mit einer entspannten Wanderung auf das Kamel, mit tollen Klettereinlagen und einem kleinen Abschlussschnaps am letzen Gipfel, den wir für diese Reise erklimmen sollten.

Unser Freund, Erdhörnchen Luigi holt sich ab und zu ein paar Sonnenblumenkerne ab, um sie erst in Backen, dann in seinem Erdloch zu bunkern.

Luigi hungrig

Luigi hungrig

Luigi satt

Luigi satt

Den letzten Abend verbringen wir wieder in Jelisowo, haben ein schönes Abschlussessen und lassen das Erlebte noch einmal Revue passieren. Wir haben die pure Wildnis, vor allem auch Dank Oliver, von ihrer schönsten Seite erlebt. Als eine der wichtigsten Erinnerungen bleibt mir, dass es durchaus möglich ist, mit viel weniger Dingen im Alltag auszukommen, als die meisten von uns mit sich herumschleppen. Das alles sind aber Erkenntnisse, die einfach verblassen, denke ich an die reichhaltige, vielfältige Natur und Kultur, die wir hier auf Kamtschatka erleben durften.

Vielen Dank, Olli!

Vielen Dank, Olli!

interessante Links

Hubschrauberflug über den Vulkanausbruch am Tolbatschik 2012/2013 (steuerbare Blickrichtung)

Bob Ross – The Joy of Painting – Season 13, Episode 10