Djavolja Varos – Tolle Natur in der Stadt des Teufels

Auf unserem Weg nach Mazedonien machen wir noch einen Zwischenstop in der Stadt des Teufels – oder in Landessprache: Djavolja Varos. Hier erwarten uns Felsobelisken, die hoch in rotem Gestein weit in den Himmel ragen und auf deren Spitze jeweils ein Findling ruht. Mir kommen Erinnerungen an den Bryce Canyon in den USA in den Kopf. Die Sommersonne lässt das rote Gestein förmlich glühen und wir wandern gut gelaunt durch die fantastische Landschaft.

Belgrad – das ist die Hauptstadt von Serbien

Es ist das reinste Verkehrschaos hier und wir parken endlich in einem überteuerten Parkhaus in der Innenstadt. Im Dunkeln – und sonntags! – ist die City trotzdem brummend voll mit Leuten, die in Kafanas sitzen.

„Kafana“ ist ein Fachbegriff, der folgendes bedeuten kann: Café, Restaurant oder aber Bar. „The shabbier it looks, the better it tastes“, ist bei diesen Einrichtungen die Regel, sollen wir später noch lernen.

Ich bin sofort angesteckt von den Trubel um uns, und was wir schon in Novi Sad gesehen haben, setzt sich hier fort: Alte Fassaden neben neu restaurierten bergen gemütliche und/oder schicke Lädchen jeden Geschmacks. Im Gegensatz zu Novi Sad allerdings sieht man hier kein einziges leerstehendes Haus, und überall baut und restauriert der junge Serbe geschäftig in seiner Hauptstadt. Gleichzeitig werden wir der Zerstörung und des Krieges ermahnt durch noch sichtbare Einschusslöcher und vereinzelt eingestürzte Häuser. Die Stadt verursacht eine ansteckende Aufbruchstimmung in uns.

Wir treffen meine Kollegin Dubravka, und sie führt uns in die Kafana mit dem schönen Namen „?“. Das ist jetzt kein Platzhalter, weil ich den Namen vergessen habe, es verhält sich nämlich so: Die Kafana hatte einst einen Namen, und zwar hieß sie „Kafana neben der Kirche“. Ein paar Christen fanden das unschicklich, und so wurde der Name eines Tages gestrichen. Ersatzlos. An dieser „fraglichen“ Stelle nun werden wir herb daran erinnert, was ein Balkanurlaub für das Körpergewicht bedeutet. Die traditionelle Fleischgrillplatte für zwei, an der wir uns gütlich tun, überfordert uns alle drei. Christian ist zufrieden.

„Trg Republike“ ist am nächsten Tag unser Startpunkt durch die Stadt. Der „Republikplatz“ ist das Herz der pulsierenden Stadt, und hat, wie die Stadt selbst, verschiedene Herrscher und Veränderungen durchgemacht.

„Trg“ bedeutet „Platz“, und ist keine Abkürzung, sondern ein vollwertiges Wort. Wer das „r“ rollen kann, hat es nicht schwer, es trotz seiner Vokallosigkeit auszusprechen.

Heute ist er für Jung und Alt vor allem allgemeingültiger Treffpunkt, um von dort aus gemeinsam in einen anderen Stadtteil zu ziehen. Wir gehen eine Runde durch das gemütliche Kneipenviertel Skadarlija, schlagen einen Bogen zur Festung auf einem grünen Hügel und schauen zu, wie sich die Sava mit der Donau vereinigt und wie gleichermaßen die Neustadt Belgrads mit der Altstadt zusammenwächst.

Die weit zurückreichende Geschichte von Herrschaftskämpfen zwischen Serben, Österreich-Ungaren und Türken, von der Zerstörung der Deutschen im zweiten Weltkrieg, über Tito und Milosevic bis zur heutigen Zeit hat Belgrad ihr spannendes Gesicht gegeben. Zusammen mit ein paar prachtvollen Gebäuden wie dem Parlament und dem Königspalast, ergibt sich ein selten dichtes und lebhaftes Stadtbild und meine klare Empfehlung lautet: Herkommen und selber gucken!

Novi Sad – Zwischenstop auf dem Weg nach Belgrad

Wir brechen aus Szeged in Richtung Belgrad auf und nehmen Philipp mit. Er will nach Novi Sad, einer serbischen studentischen Kleinstadt auf dem Weg nach Belgrad und wir entschließen uns kurzum ebenfalls dort einen Zwischenstopp einzulegen.

Das zwiegespaltene Bild, das uns der Donauabschnitt Novi Sads darbietet, spiegelt auch das Stadtbild im Allgemeinen wider. Das schön gelegene Schloss, der liebevoll angelegte Donauradweg samt Blumenbeeten und modern anmutende Skulpturen auf der einen Seite stehen im Einklang mit den eleganten Altbauten, detailverliebten Dekorationen, engen Gassen und großzügigen Plätzen der Innenstadt. Wendet man den Kopf jedoch in die gegenläufige Flussrichtung so erblickt man Industrieruinen, die in ihrem Ausmaß einer russischen Trabantenstadt schmeicheln würden und deren Waschbetonfassaden auch in zahlreichen Gebäuden der Neustadt neuen Ruhm erlangt haben.

Insgesamt bleibt aber ein sehr positiver Eindruck der Stadt bei uns haften und wir bedauern ein wenig, nicht auch noch die Abendstunden hier verbringen zu können um zu sehen wie sich die kleinen Gässchen und Bars mit Menschen füllen und Novi Sads Ruf als studentische Feierstube Serbiens alle Ehre bereiten. Stattdessen verabschieden wir uns bei einem Espresso in der Nachmittagssonne von Philipp und fahren weiter nach Belgrad.